
Spritzguss-Toleranzen — Normen, Fähigkeitsdaten und wie man sie spezifiziert
“±0,02 mm auf alle Maße” — dieser Satz auf einer Zeichnung ist der sicherste Weg, ein Spritzgussangebot unnötig zu verteuern. Die meisten Maße brauchen diese Präzision nicht, und einige können sie mit Spritzguss gar nicht erreichen. Dieser Leitfaden zeigt, welche Toleranzen für welche Merkmale realistisch sind.
Toleranzklassen
| Klasse | Längenmaß (mm) | Anwendung |
|---|---|---|
| Allgemeintoleranz | ±0,15–0,30 | Nicht-funktionale Flächen |
| Präzision | ±0,05–0,10 | Funktionale Passflächen |
| Hochpräzision | ±0,02–0,05 | Steckverbinder, Optik |
Materialabhängigkeit
Nicht jedes Material kann jede Toleranz halten:
| Material | Schwindung | Toleranz-Eignung |
|---|---|---|
| ABS, PC (amorph) | 0,4–0,7% | Gut — vorhersagbare Schwindung |
| PA66-GF30 | 0,2–0,5% | Gut — niedrige Schwindung |
| PP (ungefüllt) | 1,0–2,5% | Schlecht — hohe, variable Schwindung |
| POM | 1,8–2,2% | Mittel — vorhersagbar, aber hoch |
DIN 16901 — Die deutsche Toleranznorm
DIN 16901 definiert Allgemeintoleranzen für Kunststoff-Formteile. Die Toleranz hängt vom Nennmaß ab — je größer das Maß, desto weiter die Toleranz. Ein 50 mm Maß hat eine andere Toleranzklasse als ein 150 mm Maß.
Cpk — Nicht nur die Toleranz zählt
Eine Toleranz von ±0,05 mm sagt nichts darüber aus, wie sicher sie eingehalten wird. Ein Prozess mit Cpk 0,8 produziert Ausschuss. Ein Prozess mit Cpk 1,67 produziert praktisch null Ausschuss — bei derselben Toleranz.